
9. Juni 2026
Übergewicht und Adipositas bei Kindern sind längst keine Randerscheinungen mehr. Immer mehr Kinder – bereits im Kindergartenalter – bringen zu viele Kilos auf die Waage. Viele Eltern sind zunächst beruhigt, wenn die Blutwerte ihres Kindes unauffällig sind. Doch aktuelle Studien zeigen: Auch ohne auffällige Laborwerte entstehen im Körper bereits Prozesse, die das Risiko für schwere Erkrankungen im Erwachsenenalter massiv erhöhen.
In diesem Blogbeitrag fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse und Tipps aus der aktuellen Podcastfolge von „Kinderarzt to go“ zusammen. Wir gehen auf die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse ein, geben praxisnahe Empfehlungen und beantworten die häufigsten Elternfragen – fundiert, verständlich und alltagstauglich.
Studie des Karolinska Instituts (2026): Untersucht wurden rund 4000 Kinder und Jugendliche, die in den 1990er Jahren als „stoffwechselgesund“ galten, aber übergewichtig oder adipös waren.
Ergebnisse im Erwachsenenalter (ca. 30 Jahre):
Fazit: Auch wenn Laborwerte im Kindesalter unauffällig sind, laufen im Körper bereits schädliche Prozesse ab (z.B. stille Entzündungen, Veränderungen im Zuckerstoffwechsel). Das Risiko für Folgeerkrankungen ist massiv erhöht – und das schon im jungen Erwachsenenalter.
Merke: Normale Blutwerte sind kein Freifahrtschein. Übergewicht im Kindesalter „prägt“ den Körper langfristig.
Der Körper merkt sich das Übergewicht – die negativen Effekte entstehen oft schon, bevor sie im Labor sichtbar werden. Deshalb ist es so wichtig, frühzeitig gegenzusteuern. Studien zeigen, dass rechtzeitige Veränderungen im Alltag das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich senken können. Dabei geht es nicht um radikale Diäten oder komplizierte Programme, sondern um machbare, nachhaltige Veränderungen, die sich gut in den Familienalltag integrieren lassen.
Ein wichtiger Hebel ist das Thema Getränke. Wasser und ungesüßter Tee sollten die Basis sein, zuckerhaltige Getränke und auch solche mit Süßstoffen sind keine gute Alternative. Säfte sollten nur in Ausnahmefällen getrunken werden – maximal ein Glas pro Woche. Obst isst man am besten, statt es zu trinken, denn Säfte enthalten viel Zucker und sättigen kaum. Auch Quetschies sind ungünstig, da sie viel Zucker enthalten und kein gesundes Essverhalten fördern. Ein einfacher Tipp: Stellen Sie immer eine Karaffe Wasser auf den Tisch und bieten Sie verschiedene Teesorten an, um Abwechslung zu schaffen.
Auch die Mahlzeitenstruktur spielt eine große Rolle. Drei Hauptmahlzeiten und ein bis zwei kleine Zwischenmahlzeiten reichen völlig aus. Ständiges Naschen verhindert ein gesundes Hunger- und Sättigungsgefühl. Eltern bestimmen, was auf den Tisch kommt, die Kinder entscheiden, wie viel sie davon essen. Gerade bei sogenannten „picky eaters“ ist es wichtig, auf klare Strukturen zu achten, denn oft holen sich diese Kinder viele Kalorien zwischendurch. Feste Essenszeiten und bewusst gestaltete Zwischenmahlzeiten, wie Obst, Gemüsesticks oder Joghurt, helfen dabei.
Der gesunde Kinderteller sollte zur Hälfte aus Gemüse und Obst bestehen, ein Viertel aus Vollkornprodukten wie Vollkornbrot, Naturreis oder Haferflocken und ein weiteres Viertel aus Eiweißquellen wie Fisch, Fleisch, Hülsenfrüchten oder Milchprodukten. Zucker sollte so wenig wie möglich konsumiert werden, maximal 25 Gramm pro Tag. Bei Süßigkeiten helfen klare Regeln besser als Verbote, zum Beispiel eine kleine Portion am Nachmittag, aber nicht täglich. Kinder beim Kochen mithelfen zu lassen, steigert übrigens die Akzeptanz für neue Lebensmittel.
Bewegung ist ein weiterer wichtiger Faktor. Kindergartenkinder sollten sich mindestens drei Stunden am Tag bewegen, Grundschulkinder mindestens 60 Minuten täglich. Dabei muss es kein Leistungssport sein – draußen spielen, Roller fahren, toben oder gemeinsame Familienausflüge in die Natur reichen völlig aus. Auch Bewegungsspiele für drinnen und draußen sind eine gute Möglichkeit, den Alltag aktiver zu gestalten. Wichtig ist, dass Bewegung Spaß macht und kein Zwang entsteht.
Auch die Bildschirmzeit sollte begrenzt werden. Für Kindergartenkinder sind maximal 30 Minuten pro Tag empfehlenswert, für Grundschulkinder maximal 60 Minuten. Bildschirme beim Essen oder im Kinderzimmer sollten tabu sein, ebenso wie Bildschirmzeit direkt vor dem Schlafengehen. Medienfreie Zeiten für die ganze Familie stärken den Zusammenhalt und fördern gesunde Gewohnheiten.
Eltern sind die wichtigsten Vorbilder. Kinder lernen durch Nachahmung – beim Essen, bei Bewegung und im Umgang mit Medien. Schuldzuweisungen helfen nicht, denn Übergewicht entsteht durch ein Zusammenspiel von Veranlagung, Umfeld und Gewohnheiten. Geduld ist gefragt: Schritt für Schritt Veränderungen einführen, Perfektion ist nicht nötig.
Wenn trotz aller Bemühungen keine Veränderung sichtbar wird oder das Kind unter Hänseleien, Rückzug oder Frust leidet, ist es sinnvoll, sich Unterstützung zu holen. Kompakte Ernährungsschulungen in der Praxis – zum Beispiel drei bis vier Termine über vier Monate – können ein guter Einstieg sein. Auch professionelle Ernährungsberatung, multimodale Programme wie im Sozialpädiatrischen Zentrum Passau oder gegebenenfalls eine Rehabilitation sind Möglichkeiten. Wichtig ist, dass Veränderungen im Alltag umsetzbar sind, denn nur dann sind sie nachhaltig.
Viele Eltern fragen sich, ob sich das Übergewicht „verwächst“. Leider ist das meist nicht der Fall, weshalb frühzeitiges Gegensteuern so wichtig ist. Auch normale Blutwerte sind kein Grund zur Entwarnung – gerade dann lohnt sich frühes Handeln. Nicht immer muss ein Kind abnehmen; oft reicht es, das Gewicht zu halten, während das Kind wächst. Wenn Programme nicht machbar sind, helfen kleine, alltagstaugliche Veränderungen am meisten. Bewegung sollte regelmäßig und spielerisch erfolgen, nicht extrem. Säfte, auch Apfelsaft, enthalten viel Zucker und sind bei Übergewicht problematisch. Bei Süßigkeiten helfen klare Regeln besser als Verbote. Und bei Unsicherheit, ausbleibendem Erfolg oder zunehmendem Gewicht trotz Bemühungen sollte man den Kinderarzt aufsuchen.
Übergewicht bei Kindern ist ein ernstes Thema, das Eltern nicht auf die leichte Schulter nehmen sollten. Die gute Nachricht: Es braucht keine radikalen Maßnahmen, sondern vor allem kleine, konsequente Veränderungen im Alltag. Eltern sind die wichtigsten Vorbilder – und mit Geduld, Struktur und realistischen Zielen können Sie viel für die Gesundheit Ihres Kindes tun.
Teilen Sie diesen Beitrag gerne mit anderen Eltern, denen die Gesundheit ihrer Kinder am Herzen liegt. Bleiben Sie dran – und bleiben Sie gesund!
Weitere Informationen und Unterstützung erhalten Sie in der Kinderarztpraxis Dr. Georg Handwerker und Dr. Susanne Müller in Passau
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Sehr freundliche und professionelle Praxis. Besonders Frau Dr. Susanne Müller war sehr aufmerksam und herzlich. Wir haben uns gut betreut gefühlt, obwohl wir keine festen Patienten der Praxis sind. Die Wartezeit war völlig in Ordnung. Man fühlt sich in dieser Praxis sehr gut und sicher aufgehobe...
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