Frustrierte Eltern sitzen im Spielzimmer

10. November 2025

Die „gut genug Mutter“: Warum Perfektion in der Erziehung nicht notwendig ist

Fuchs

Einleitung: Entlastung für Eltern – das Konzept der „good enough mother“

Viele Eltern, insbesondere Mütter, stehen heute unter enormem Druck, alles richtig zu machen. Die sozialen Medien sind voll von scheinbar perfekten Familien, und die Erwartungen an die eigene Elternschaft sind oft hoch. Doch was, wenn Perfektion gar nicht das Ziel sein sollte? In der aktuellen Episode des Podcasts „Kinderarzt to go“ spricht Dr. Georg Handwerker, erfahrener Kinderarzt, über das entlastende und wissenschaftlich fundierte Konzept der „gut genug Mutter“ – ein Begriff, den der britische Kinderarzt und Psychoanalytiker Donald Winnicott in den 1950er Jahren geprägt hat.

Im Folgenden finden Sie eine ausführliche Zusammenfassung und Vertiefung der wichtigsten Erkenntnisse und Tipps aus dieser Podcastfolge – speziell für Eltern, die sich für Kindergesundheit und kindliche Entwicklung interessieren.

Was bedeutet „gut genug“ in der Elternschaft?

Ursprung und Bedeutung

Donald Winnicott beobachtete, dass Kinder keine perfekten Eltern brauchen, sondern Eltern, die „gut genug“ sind.
Eine „gut genug Mutter“ (oder Vater!) nimmt die Bedürfnisse ihres Kindes wahr, reagiert feinfühlig, aber nicht immer sofort und nicht immer perfekt.
Mit der Zeit lässt sie kleine Frustrationen zu, damit das Kind lernt, dass die Welt grundsätzlich sicher, aber nicht vollkommen ist.

Kernbotschaft:
Kinder brauchen keine makellosen Eltern, sondern echte, menschliche Bezugspersonen, die Fehler machen, daraus lernen und immer wieder in Beziehung treten.

Die drei Säulen der „gut genug“ Elternschaft

Dr. Handwerker hebt drei zentrale Aspekte hervor, die für eine gesunde Entwicklung von Kindern entscheidend sind:

1. Verlässlichkeit: Präsenz statt Perfektion

Was bedeutet Verlässlichkeit?
Eltern sind im Großen und Ganzen für ihr Kind da.
Es geht nicht darum, immer und überall sofort zu reagieren, sondern darum, grundsätzlich ansprechbar und erreichbar zu sein.
Warum ist das wichtig?
Kinder entwickeln Urvertrauen, wenn sie erleben, dass ihre Eltern verlässlich sind.
Einzelne Versäumnisse oder Fehler schaden nicht, solange das Kind insgesamt auf die Fürsorge seiner Eltern zählen kann.

Praktische Tipps:
Schaffen Sie feste Rituale (z.B. gemeinsames Abendessen, Gute-Nacht-Rituale).
Kommunizieren Sie, wenn Sie mal nicht sofort reagieren können („Ich komme gleich zu dir, ich muss nur noch kurz etwas fertig machen.“).
Seien Sie ehrlich, wenn Sie einen Fehler gemacht haben, und entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind.

2. Feinfühligkeit: Die Signale des Kindes wahrnehmen

Was ist Feinfühligkeit?
Die Fähigkeit, die Bedürfnisse und Gefühle des Kindes zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Ein Baby schreit – die Eltern versuchen herauszufinden, was los ist, und bieten Nähe an, auch wenn sie nicht immer sofort die Ursache erkennen.
Ein Kleinkind hat einen Wutanfall – die Eltern bleiben möglichst ruhig, begleiten das Kind durch die Emotion und sprechen später darüber.

Expertentipp:
Feinfühligkeit bedeutet nicht, immer alles richtig zu machen, sondern sich immer wieder auf das Kind einzulassen und zu versuchen, es zu verstehen.

Praktische Tipps:
Beobachten Sie Ihr Kind aufmerksam und versuchen Sie, seine Signale zu deuten.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über Gefühle („Ich sehe, du bist gerade sehr wütend. Das ist okay.“).
Geben Sie zu, wenn Sie nicht wissen, warum Ihr Kind weint, und signalisieren Sie: „Ich bin da für dich.“

Erholung: Selbstfürsorge der Eltern

Warum ist Erholung wichtig?
Kinder spüren, wenn ihre Eltern erschöpft oder überfordert sind.
Nur wer auf sich selbst achtet, kann langfristig präsent und feinfühlig für sein Kind sein.
Was bedeutet das konkret?
Es ist in Ordnung, nicht immer zu 100 % zu funktionieren.
Eltern dürfen und sollen sich Pausen gönnen, um ihre eigenen Batterien aufzuladen.

Praktische Tipps:
Planen Sie bewusst kleine Auszeiten ein, auch wenn es nur ein paar Minuten am Tag sind.
Bitten Sie um Unterstützung im Familien- oder Freundeskreis.
Seien Sie ehrlich zu sich selbst: Niemand kann immer alles geben – und das ist auch nicht nötig.

„Ruptur und Repair“: Die Kraft der Versöhnung

Ein zentrales Element in der kindlichen Entwicklung ist das Erleben von „Ruptur und Repair“ – also von kleinen Brüchen in der Beziehung und deren anschließender Reparatur.

Was bedeutet das?
Es ist normal, dass es im Alltag zu Konflikten, Missverständnissen oder Frustrationen kommt.
Entscheidend ist, dass Eltern nach solchen Momenten wieder auf ihr Kind zugehen, sich entschuldigen und die Beziehung reparieren.
Warum ist das wichtig?
Kinder lernen, dass Beziehungen nicht perfekt sind, aber dass man nach einem Streit oder einer Enttäuschung wieder zueinanderfinden kann.
Das fördert die Beziehungsfähigkeit und emotionale Resilienz.

Praktische Tipps:
Sprechen Sie nach einem Konflikt offen mit Ihrem Kind darüber, was passiert ist.
Zeigen Sie, dass auch Erwachsene Fehler machen und daraus lernen.
Vermitteln Sie: „Auch wenn wir uns streiten, habe ich dich immer lieb.“

Entwicklungsstufen berücksichtigen

Dr. Handwerker betont, wie wichtig es ist, die jeweilige Entwicklungsstufe des Kindes zu beachten:

Säuglinge unter sechs Monaten verstehen noch nicht, dass Eltern wiederkommen, wenn sie kurz weggehen. Hier ist Nähe besonders wichtig.
Kleinkinder profitieren davon, kleine Frustrationen zu erleben, solange sie sich grundsätzlich sicher und geborgen fühlen.
Ältere Kinder können zunehmend verstehen, dass Eltern nicht immer alles sofort lösen können und dürfen lernen, mit Enttäuschungen umzugehen.

Empfehlung:
Passen Sie Ihre Reaktionen an das Alter und die Bedürfnisse Ihres Kindes an. Seien Sie dabei immer liebevoll und präsent.

Alltagsbeispiele für „gut genug“

Das Baby schreit, und Sie brauchen einen Moment, um zu reagieren – das ist in Ordnung.
Das Abendessen ist mal nicht perfekt, oder das Zähneputzen klappt nicht wie im Bilderbuch – das ist „gut genug“.
Sie sind nach einem langen Tag erschöpft und haben weniger Geduld – auch das ist menschlich.

Wichtig:
Kinder brauchen kein perfektes Drehbuch, sondern Nähe, Sicherheit und das Gefühl, geliebt zu werden – auch (und gerade) wenn mal Chaos herrscht.

Fazit: „Good enough“ ist wissenschaftlich genau richtig

Die wichtigste Botschaft dieser Podcastfolge lautet:
Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern echte, erreichbare und menschliche Eltern.

Fehler und Unvollkommenheiten sind kein Risiko, sondern bieten Raum für Entwicklung.
Kinder lernen, sich anzupassen, Frustration zu ertragen und Vertrauen zu entwickeln.
Eltern dürfen und sollen sich selbst entlasten und daran erinnern: „Du bist schon gut genug.“

Weiterführende Empfehlungen

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus – niemand ist allein mit seinen Unsicherheiten.
Suchen Sie bei Bedarf professionelle Unterstützung, z.B. durch Kinderärzte, Familienberatungsstellen oder psychologische Angebote.
Bleiben Sie gelassen und freundlich zu sich selbst – Ihr Kind profitiert davon.

Teilen Sie diese Erkenntnisse gerne mit anderen Eltern und erinnern Sie sich immer wieder daran: Perfektion ist nicht das Ziel. „Gut genug“ zu sein, ist das Beste, was Sie für Ihr Kind tun können.

Bleiben Sie gesund und zuversichtlich – Sie sind schon gut genug! Und: Abonnieren Sie gerne unseren Podcast „Kinderarzt to go“ auf Spotify!

Was unsere Patienten sagen

Lesen Sie die Erfahrungsberichte von Eltern, die bereits in unserer Praxis waren. Ihr Vertrauen, Ihre Zufriedenheit und das Wohl Ihres Kindes stehen bei uns an erster Stelle.

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49 Bewertungen

  • Google Bewertung von Carolin Zechmann

    Bewertung von Carolin Zechmann

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    vor 2 Wochen

    Es bleibt mir nichts anderes übrig als auch 5 Sterne zu vergeben. :) Unser Sohn wird demnächst 1 Jahr alt und jeder einzelne Termin bei Hr. Dr. Handwerker und bei Fr. Dr. Müller war bisher absolut perfekt. Kurze Wartezeiten, ein sehr freundliches Team, eine absolut entspannte Atmosphäre und vor ...
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  • Google Bewertung von Regina H

    Bewertung von Regina H

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    vor einem Monat

    Ich durfte als Blockpraktikantin/Medizinstudentin bei Dr. Handwerker einen Tag mitlaufen und es war echt ein toller Einblick in die volle Bandbreite der ambulanten Pädiatrie! Was die Praxis alles selber machen kann ist beeindruckend, die Räume sind super schön und das Team richtig toll. Es wird ...
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  • Google Bewertung von Damaris Cruz

    Bewertung von Damaris Cruz

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    vor 2 Monaten

    Meine drei Kinder werden in dieser Praxis betreut und alles läuft immer reibungslos. Es gibt keine Wartezeiten, Termine bekommt man sehr schnell und über die App ist die Praxis jederzeit gut erreichbar. Die Kinder gehen gerne hin, weil sie hier mit viel Empathie behandelt werden. Die Vorsorgeunter...
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