Baby wird mit brei gefüttert

25. Oktober 2025

Beikosteinführung bei Säuglingen: Expertenrat von Dr. Georg Handwerker aus dem Podcast „Kinderarzt to go“

Fuchs

Die Einführung der Beikost ist ein bedeutender Meilenstein im ersten Lebensjahr eines Kindes – und für viele Eltern mit Unsicherheiten und Fragen verbunden. In der aktuellen Episode des Podcasts „Kinderarzt to go“ gibt Dr. Georg Handwerker, erfahrener Kinderarzt, gemeinsam mit Moderatorin Tanja einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Aspekte der Beikosteinführung. Im Folgenden finden Sie eine detaillierte Zusammenfassung der besprochenen Themen, ergänzt um praxisnahe Tipps und fundierte Empfehlungen für einen gesunden und entspannten Start in die Beikostzeit.

Der richtige Zeitpunkt für die Beikosteinführung

Empfehlungen und individuelle Reifezeichen

Empfohlener Zeitraum:
Die WHO empfiehlt, mit der Beikost ab dem vollendeten 6. Lebensmonat zu beginnen. In Deutschland ist ein Start zwischen dem 4. und 7. Monat üblich. Spätestens im 7. Monat sollte die Einführung erfolgen, um eine optimale Nährstoffversorgung sicherzustellen.
Individuelle Reifezeichen:
Nicht das Alter allein zählt, sondern die Entwicklung des Kindes. Achten Sie auf folgende Anzeichen:
Das Baby kann den Kopf sicher und stabil halten.
Es zeigt Interesse am Essen, beobachtet Erwachsene beim Essen und greift nach Lebensmitteln.
Es öffnet den Mund, wenn ein Löffel angeboten wird, und schiebt die Nahrung nicht reflexartig wieder heraus.


Expertentipp:
Zwingen Sie Ihr Kind nicht zur Beikost, sondern orientieren Sie sich an seinem Tempo. Ein zu früher oder zu später Start kann die Akzeptanz erschweren oder zu Nährstoffmängeln führen.

Mit welchen Lebensmitteln starten?

Der klassische Weg: Gemüsebrei als Einstieg

Erster Brei:
Beginnen Sie mit einem einfachen, pürierten Gemüsebrei (z. B. Karotte, Pastinake, Kürbis, Zucchini). Nach einigen Tagen kann der Brei um Kartoffeln und später um Fleisch ergänzt werden.
Fleisch als Eisenquelle:
Fleisch liefert wertvolles Eisen, das für die Blutbildung und das Wachstum essenziell ist. Starten Sie mit kleinen Mengen, da Babys anfangs nur wenige Löffel essen.
Abwechslung und Verträglichkeit:
Wechseln Sie regelmäßig das Gemüse, um eine breite Palette an Nährstoffen zu bieten. Achten Sie bei Babys mit Neigung zu Verstopfung darauf, stuhlfestigende Sorten wie Karotten und Kartoffeln nicht zu häufig zu geben.
Wichtige Zusätze:
Pflanzenöl (z. B. Rapsöl) für die Versorgung mit ungesättigten Fettsäuren.
Vitamin C (z. B. ein Schuss Orangensaft), um die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Quellen zu verbessern.

Praktische Tipps:
Kochen Sie größere Mengen und frieren Sie Portionen ein – am besten in Eiswürfelbereitern – , um Zeit zu sparen.
Verwenden Sie saisonales Gemüse für mehr Vielfalt und Frische.

Die nächsten Schritte: Weitere Breie und Getränke

Vom Gemüsebrei zum Milch-Getreide- und Obst-Getreide-Brei

Milch-Getreide-Brei:
Nach dem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei folgt der Milch-Getreide-Brei (z. B. mit Vollmilch und Haferflocken). Dieser kann abends eingeführt werden.
Obst-Getreide-Brei:
Als dritte Mahlzeit eignet sich ein Getreide-Obst-Brei, der ohne Milch zubereitet wird. Obst sorgt für eine natürliche Süße und liefert Vitamine.
Getränke:
Zu Beginn der Beikost ist zusätzliches Trinken meist nicht nötig, da Muttermilch oder Säuglingsnahrung weiterhin den Hauptanteil der Flüssigkeit liefern. Später kann Wasser oder ungesüßter Tee angeboten werden. Verzichten Sie auf Säfte und zuckerhaltige Getränke.

Wichtige Hinweise:
Führen Sie neue Lebensmittel einzeln ein, um Unverträglichkeiten oder Allergien frühzeitig zu erkennen.
Lassen Sie dem Kind Zeit, sich an neue Geschmäcker zu gewöhnen.

Rezepte für Beikost-Breie

Die folgenden Rezepte basieren auf den Beikost-Empfehlungen des FKE (Forschungdepartment für Kinderernährung) in Dortmund

  • Gemüse-Kartoffel-Brei:
    • 2 Teile Gemüse + 1 Teil Kartoffeln + 1 Esslöffel Pflanzenöl (z. B. Rapsöl), Breimenge etwa 190 g.
  • Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei:
    • 90 – 100 g Gemüse, 40 – 60 g Kartoffeln, 30 – 40 g Vitamin-C-reicher Obstsaft
      oder Obstpüree, 1 Esslöffel Rapsöl, 20 – 30 g mageres Fleisch, gekocht und
      püriert.
  • Milch-Getreide-Brei:
    • 200 g Milch erhitzen, 20 g Getreide(flocken) hineinrühren. 20 g Obst zerdrücken
      und unterrühren.
  • Getreide-Obst-Brei:
    • 90 g Wasser erhitzen, 20 g Getreide einrühren, Brei evtl. kurz aufkochen. 100 g
      Obst zerdrücken und mit 5 g Rapsöl unterrühren.
  • Vegetarischer Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei:
    • 100 g Gemüse und 50 g Kartoffeln klein schneiden und in wenig Wasser weich
      kochen. 10 g Haferflocken, 30 g Saft oder Obstpüree und 20 g Wasser dazugeben
      und pürieren. 8 g Öl in den Brei einrühren.

Baby Led Weaning (BLW): Selbstbestimmtes Essen

Vor- und Nachteile der BLW-Methode

  • Was ist BLW?
    • Beim „Baby Led Weaning“ entscheidet das Kind selbst, was und wie viel es isst. Es bekommt weiche, in handliche Stücke geschnittene Lebensmittel, die es eigenständig greifen und zum Mund führen kann.
  • Vorteile:
    • Förderung der Selbstständigkeit und Feinmotorik.
    • Das Kind lernt, auf sein Sättigungsgefühl zu achten.
    • Gemeinsames Essen am Familientisch wird erleichtert.
  • Herausforderungen:
    • Mehr „Spielerei“ und potenziell mehr Unordnung.
    • Nicht für alle Kinder geeignet, z. B. bei motorischen Einschränkungen.
    • Möglicherweise geringere Nahrungsaufnahme zu Beginn, was die Nährstoffversorgung verzögern kann.

Expertenrat:
BLW kann eine sinnvolle Ergänzung sein, sollte aber individuell an die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Kindes angepasst werden. Eine Kombination aus Brei und Fingerfood ist oft ein guter Mittelweg.

Diese Lebensmittel sollten im ersten Lebensjahr tabu sein

Wichtige Verbote und ihre Begründung

Honig:
Enthält potenziell gefährliche Bakterien (Clostridium botulinum), die bei Säuglingen zu schwerem Botulismus führen können.
Rohmilch und Rohmilchprodukte:
Risiko für EHEC-Infektionen, die schwere Magen-Darm-Erkrankungen und Nierenversagen verursachen können. Rohmilch sollte bis zum 6. Lebensjahr gemieden werden.
Rohes Fleisch und rohe Eier:
Gefahr von Salmonellen und anderen Keimen.
Salz:
Die Nieren von Säuglingen sind noch nicht ausgereift. Zu viel Salz erhöht das Risiko für Bluthochdruck im späteren Leben.
Scharfe Gewürze (z. B. Chili):
Können den empfindlichen Magen-Darm-Trakt reizen.
Ganze Nüsse:
Erstickungsgefahr! Gemahlene Nüsse in Backwaren sind hingegen unproblematisch.

Allergieprävention: Vielfalt statt Vermeidung

Aktueller Stand der Wissenschaft

Frühe Einführung verschiedener Lebensmittel:
Das Immunsystem lernt im ersten Lebensjahr, Toleranz gegenüber neuen Nahrungsmitteln zu entwickeln. Eine breite Auswahl an Lebensmitteln kann das Allergierisiko senken.
Erdnüsse, Fisch und Gluten:
Studien zeigen, dass die frühe Einführung (ab dem 6. Monat) das Risiko für Allergien, insbesondere Erdnussallergien, verringern kann. Gluten sollte nicht verzögert eingeführt werden, es sei denn, es liegt eine bekannte Unverträglichkeit vor.
Individuelle Empfehlungen:
Bei familiärer Vorbelastung oder Unsicherheiten empfiehlt sich eine Beratung beim Kinderarzt.

Zusammenfassung: Die wichtigsten Tipps auf einen Blick

  • Am Kind orientieren:
    • Beobachten Sie die Reifezeichen und starten Sie, wenn Ihr Kind bereit ist.
  • Strukturierter Fahrplan:
    • Beginnen Sie mit Gemüsebrei, erweitern Sie schrittweise und bieten Sie Vielfalt.
  • Vermeiden Sie riskante Lebensmittel:
    • Halten Sie sich an die Empfehlungen zu Honig, Rohmilch, Salz, scharfen Speisen und Nüssen.
  • Kind mitentscheiden lassen:
    • Ob klassisch mit Brei oder BLW – das Kind sollte mitbestimmen, wie viel und was es isst.
  • Gelassenheit bewahren:
    • Jedes Kind entwickelt sich individuell. Druck und Stress sind kontraproduktiv.

Fazit: Beikosteinführung mit Herz und Verstand

Die Beikosteinführung ist ein spannender, manchmal herausfordernder, aber vor allem wichtiger Schritt in der Entwicklung Ihres Kindes. Dr. Georg Handwerker betont, dass es nicht den einen „richtigen“ Weg gibt – entscheidend ist, dass Sie auf die Signale Ihres Kindes achten, sich an bewährten Empfehlungen orientieren und offen für neue Erfahrungen bleiben. So gelingt der Übergang zur Beikost entspannt, gesund und individuell.

Weitere Informationen und Rezepte finden Sie auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) sowie in vertrauenswürdigen Elternratgebern.

Bleiben Sie neugierig und genießen Sie diese besondere Zeit mit Ihrem Kind! – und hören Sie mal rein in unseren Podcast „Kinderarzt to go“! Sie helfen uns sehr, wenn Sie uns auf Spotify folgen.

Was unsere Patienten sagen

Lesen Sie die Erfahrungsberichte von Eltern, die bereits in unserer Praxis waren. Ihr Vertrauen, Ihre Zufriedenheit und das Wohl Ihres Kindes stehen bei uns an erster Stelle.

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  • Google Bewertung von Carolin Zechmann

    Bewertung von Carolin Zechmann

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    vor einer Woche

    Es bleibt mir nichts anderes übrig als auch 5 Sterne zu vergeben. :) Unser Sohn wird demnächst 1 Jahr alt und jeder einzelne Termin bei Hr. Dr. Handwerker und bei Fr. Dr. Müller war bisher absolut perfekt. Kurze Wartezeiten, ein sehr freundliches Team, eine absolut entspannte Atmosphäre und vor ...
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  • Google Bewertung von Petra Stoiber

    Bewertung von Petra Stoiber

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    vor einem Monat

    Herr Dr Handwerker ist ein ganz besonderer Kinderarzt und Mensch. Bereits in meiner Schwangerschaft hat mich Herr Dr. Handwerker nach einer Kontaktanfrage aufgrund unserer schwierigen Vorgeschichte persönlich am Abend angerufen. Durch jedes Wort vor und nach der Geburt meines Sohnes hat er mir und ...
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    vor einem Monat

    Wir sind seit der Geburt unserer Tochter, die inzwischen 1,5 Jahre alt ist, bei Kinderarzt Dr. Handwerker in Behandlung und fühlen uns dort rundum bestens aufgehoben. Auch wenn man manchmal ein bisschen warten muss, nimmt sich Hr. Dr. Handwerker dann viel Zeit, ist sehr kompetent und hat ein super ...
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